Aachener Verein zur Förderung psychisch Kranker und Behinderter e.V.
Sozialpsychiatrischer Fortbildungstag 2019
Sehr geehrte Besucherin, sehr geehrter Besucher, „Arbeitstherapie“, „Beschäftigungsbehandlung“, „aktive Krankenbehandlung“ - unterschiedliche Bezeichnungen finden sich ab dem beginnenden 20. Jahrhundert in psychiatrischen Fachpublikationen für eine Behandlungsform, die auf das Tätigsein der Patientinnen und Patienten, auf eine Aktivierung ihrer Fähigkeiten, und schließlich auf die Wiederherstellung ihrer Arbeitsfähigkeit ausgerichtet ist. Bereits in den ersten sogenannten Heil- und Pflegeanstalten, die Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts - meist fernab städtischer Zentren - errichtet werden, werden die Kranken in landwirtschaftlichen, handwerklichen oder häuslichen Bereichen beschäftigt. Die Arbeit soll Geist und Körper ermüden, von Wahnvorstellungen und Sinnestäuschungen ablenken, den Händen eine sinnvolle Beschäftigung geben, die Bewegungen des Körpers durch den Rhythmus der Arbeit in ein ordnendes Gleichmaß bringen und (wieder) eine Teilhabe an der Welt ermöglichen. Der Teilhabeaspekt wird in der 2008 in Kraft getretenen Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN-BRK) dergestalt aufgegriffen, dass für Menschen mit Behinderung gemäß Artikel 9 die „… unabhängige Lebensführung und die volle Teilhabe in allen Lebensbereichen …“ postuliert wird. In Artikel 27 der UN-BRK heißt es weiter: Menschen mit Behinderung haben „…  das Recht auf die Möglichkeit, den Lebensunterhalt durch Arbeit zu verdienen, die … frei gewählt oder angenommen werden kann“. Die Ziele der Unabhängigkeit und der Inklusion sind der heutigen psychiatrischen Arbeitsrehabilitation alles andere als fremd. Gemäß einem bereits vor mehr als 20 Jahren verfassten Positionspapier der Weltgesundheitsorganisation ist psychiatrische Arbeitsrehabilitation in erster Linie psychosoziale Rehabilitation, die darauf abzielt, dass Menschen, die wegen einer psychischen Störung von Behinderung, von Beein- trächtigungen oder Handicaps betroffen sind, ein optimales Niveau unabhängiger Lebensführung in der Gemein- schaft erreichen. Was für Menschen mit psychischer Erkrankung oder psychischer Behinderung hilfreich ist, um sich das Leben wieder aneignen zu können, wird seit geraumer Zeit im englischsprachigen, aber auch im deutschsprachigen Raum unter dem Stichwort „Recovery“ zusammengefasst und beschrieben. Die psychiatrische Arbeitsrehabilitation spielt bei der Vermittlung und Anwendung der Recovery-Haltung eine, wenn nicht sogar die entscheidende Rolle: Psychiatrische Arbeitsrehabilitation stärkt das (Wieder-) Erlangen von Hoffnung, Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmung, hilft beim Identifizieren von Schlüsselpunkten für Stress und Krisen und unterstützt bei der Entwicklung persönlicher Problemlösungs- und Bewältigungsstrategien. Die hier nur kurz umrissenen Inhalte wurden ausführlich präsentiert und diskutiert im Rahmen unseres Aachener Sozialpsychiatrischen Fortbildungstag am 11.09.2019. Unter dem Titel: „Wir meinen es gut mit Dir, aber ohne Beschäftigung geht nix!“ beschäftigten sich die folgenden drei Experten-Vorträge facettenreich mit dem Thema „Arbeit und Beschäftigung in der Sozialpsychiatrie“: Dr. phil. Felicitas Söhner, Düsseldorf: Arbeit in der Psychiatrie im 20. Jahrhundert - zwischen Therapie und Ökonomie (Die Power-Point-Präsentation zum Vortrag ist hier abrufbar) Sabine Herz / Dirk Triphaus, Aachen: Therapeutische Möglichkeiten zur Teilhabe durch Tätigsein (Die Power-Point-Präsentation zum Vortrag ist hier abrufbar) Dr. med. Michaela Albers, Köln: Mit Recovery in Arbeit? (Die Power-Point-Präsentation zum Vortrag ist hier abrufbar) Als Resümee gilt festzuhalten: Alle Teilnehmenden stimmten darin überein, einen spannenden, erkenntnisreichen und die praktische Arbeit bereichernden Aachener Sozialpsychiatrischen Fortbildungstag 2019 erlebt zu haben! Einige bildliche Impressionen zum Aachener Sozialpsychiatrischen Fortbildungstag 2019 finden Sie hier.